Über 9.000 Tonnen Gold lagern in deutschen Privathaushalten – mehr als in jedem anderen europäischen Land. Damit besitzen deutsche Bürgerinnen und Bürger mehr als doppelt so viel Gold wie die Deutsche Bundesbank selbst. Doch wer kauft eigentlich am meisten Gold in Europa? Und welche Menschen investieren bevorzugt in Barren und Münzen?
In dieser Studie analysieren wir die aktuelle Goldnachfrage in Europa, basierend auf den neuesten Daten des World Gold Council (Gold Demand Trends 2024) und der Reisebank-Goldstudie 2025. Dabei betrachten wir ausschließlich den privaten Goldmarkt – Zentralbankkäufe sind bewusst ausgeklammert.
Was genau wird betrachtet?
Um die Frage „Wer kauft am meisten Gold?" sinnvoll zu beantworten, unterscheiden wir zwei Kennzahlen:
- Jährliche Nachfrage nach Anlagegold (Fluss): Physische Barren und Münzen, die Privatanleger aktiv kaufen oder verkaufen – gemessen in Tonnen pro Jahr.
- Gesamter Goldbestand in Privatbesitz (Bestand): Alles Gold, das Haushalte bereits besitzen – Schmuck, Barren und Münzen zusammengenommen.
Diese Unterscheidung ist wichtig: Ein Land kann hohe Bestände haben, aber aktuell wenig nachkaufen – oder umgekehrt. Beide Perspektiven zusammen ergeben erst das vollständige Bild.
Jährliche Anlagegold-Nachfrage: Wer kauft am meisten?
Die aktuellsten Zahlen stammen aus dem Bericht Gold Demand Trends 2024 des World Gold Council. Dort ist die Barren- und Münznachfrage nach Ländern aufgeschlüsselt. Hier die wichtigsten europäischen Märkte im Überblick:
Barren- & Münzennachfrage in Europa (in Tonnen)
Quelle: World Gold Council – Gold Demand Trends 2024
Was sagen uns diese Zahlen?
Deutschland war 2023 mit 46,9 Tonnen der mit Abstand größte Markt für physisches Anlagegold in Europa. Noch beeindruckender: 2022 war Deutschland mit 185 Tonnen sogar der zweitgrößte Retail-Goldmarkt weltweit.
Die Schweiz folgt als zweitwichtigster europäischer Markt. Dabei ist zu beachten, dass ein Teil der dort gekauften Barren für internationale Kunden verwahrt wird – die Schweiz ist ein globaler Raffinations- und Lagerhub.
2024 ist die Nachfrage in ganz Europa deutlich zurückgegangen – auf insgesamt nur noch 66,6 Tonnen (−50 % gegenüber 2023). Die Gründe dafür sind nachvollziehbar:
- Rekord-Goldpreise führten zu Gewinnmitnahmen – viele Anleger haben Teile ihrer Bestände verkauft.
- Gestiegene Lebenshaltungskosten durch Inflation und Energiepreise belasteten die Haushaltsbudgets.
- Viele Anleger hatten in den Vorjahren bereits große Positionen aufgebaut und sahen keinen Bedarf für weitere Zukäufe.
Wichtig: Der Rückgang in der Neunachfrage bedeutet nicht, dass das Interesse an Gold nachlässt. Im Gegenteil – die bestehenden Bestände sind enorm, und laut einer Umfrage des World Gold Council unter 3.000 deutschen Investoren planen 32 % „sehr wahrscheinlich" oder „definitiv" weitere Goldinvestments in der Zukunft.
Goldbestand in Privatbesitz: Wo besitzen Menschen am meisten Gold?
Neben der jährlichen Nachfrage ist der Gesamtbestand in Privathand die entscheidende Kennzahl. Hier zeigt sich ein klares Bild.
Deutschland: Europas größter privater Goldbestand
Die Reisebank-Goldstudie 2025 (durchgeführt mit der Steinbeis-Hochschule) liefert beeindruckende Zahlen:
Davon entfallen 41,7 % (ca. 3.790 Tonnen) auf reines Anlagegold in Form von Barren und Münzen. Der Rest verteilt sich auf Schmuck und Uhren.
Goldbestand deutscher Haushalte
Aufteilung nach Art – Reisebank-Goldstudie 2025
Pro-Kopf-Goldbesitz im europäischen Vergleich
Auch beim Pro-Kopf-Vergleich liegt Deutschland vorn: Der durchschnittliche Deutsche besitzt 100,5 Gramm Gold. Zum Vergleich: In Italien sind es 74,9 Gramm pro Kopf – und Italien gilt traditionell als goldaffines Land.
Pro-Kopf-Goldbesitz in Europa
Gramm Gold pro Einwohner – Quellen: Reisebank, WGC
Gesamtbestände im Ländervergleich
Neben Deutschland halten auch andere europäische Länder beachtliche Goldmengen in Privathand:
- Italien: ca. 6.418 Tonnen – getrieben durch eine starke Schmucktradition
- Frankreich: ca. 4.714 Tonnen – historisch geprägt durch traditionelle Goldmünzen wie den Napoleon
- Deutschland: 9.089 Tonnen – klarer Spitzenreiter, mit dem höchsten Anteil an reinem Anlagegold
Privater Goldbestand in Europa (in Tonnen)
Quellen: Reisebank-Goldstudie 2025, Steinbeis-Hochschule, WGC
Wer kauft Gold? Käuferprofile in Europa
Neben der Frage, welche Länder am meisten Gold kaufen, ist auch interessant, welche Menschen in Europa bevorzugt in Gold investieren.
Deutschland: Gold als drittbeliebteste Anlageform
Laut einer umfassenden Studie des World Gold Council (2024, 3.000 befragte deutsche Investoren) ergibt sich ein klares Bild:
- 37 % der deutschen Investoren haben irgendwann in Gold investiert oder Gold gehalten.
- 28 % besitzen aktuell Gold – damit ist Gold nach Sparkonto (61 %) und Aktien (46 %) die drittwichtigste Anlageform in Deutschland.
Die typischen Goldkäufer in Deutschland sind:
- Sicherheitsorientierte Sparer mit konservativem Anlageansatz – Vermögenssicherung steht vor Spekulation.
- Breite Mittelschicht – Gold ist kein reines „Reichen-Investment". Häufig werden Beträge im Bereich weniger Tausend Euro investiert.
- Altersgruppe 35–65 Jahre ist am stärksten vertreten, aber das Interesse bei jüngeren Männern (25–34) wächst deutlich.
Überraschung: Gold ist bei jungen Menschen die beliebteste Anlage
Das Investment Barometer 2025 der Deutschen Börse Commodities GmbH (repräsentative Befragung, November 2025) zeigt einen bemerkenswerten Trend:
Insgesamt würden 27 % aller Deutschen bei einer Anlagesumme von 25.000 Euro in Gold investieren – fast gleichauf mit Sparkonten (31 %) und Fonds/ETFs (28 %).
Warum kaufen Europäer Gold?
Die Motive für den Goldkauf sind über alle Altersgruppen und Länder hinweg erstaunlich konsistent:
- Inflationsschutz – Gold gilt als bewährter Schutz gegen Kaufkraftverlust.
- Krisensicherheit – In Zeiten geopolitischer Unsicherheit steigt das Vertrauen in physisches Gold.
- Diversifikation – Gold als „dritter Baustein" neben Tagesgeld und Aktien/ETFs.
- Langfristige Wertentwicklung – Bessere Rendite als Bargeld auf dem Sparkonto.
- Einfacher Zugang – Gold ist in kleinen Stückelungen (ab 1 Gramm) verfügbar und leicht zu kaufen und zu verkaufen.
Schweiz und Österreich: Tradition trifft Infrastruktur
Beide Länder haben eine lange Tradition im physischen Goldhandel:
- Die Schweiz ist ein globaler Hub für Goldraffinierung und -lagerung. Vermögendere Privatkunden kaufen hier häufig größere Barrenformate und nutzen professionelle Langzeitlagerung.
- Österreich ist bekannt für den Wiener Philharmoniker – eine der weltweit beliebtesten Anlagemünzen. Käufer kommen nicht nur aus Österreich, sondern aus ganz Zentraleuropa.
In beiden Ländern sowie in Deutschland kauft der Mittelstand regelmäßig kleinere Stücke (1 oz, 100 g) als langfristige Vermögenssicherung zu.
UK, Frankreich und Italien
- Vereinigtes Königreich: Ein bedeutender, aber deutlich kleinerer physischer Markt als Deutschland oder die Schweiz. Gold wird hier eher als taktischer Hedge eingesetzt, oft ergänzend zu Fonds und ETFs.
- Frankreich und Italien: Stark vom Goldschmuck geprägt. Als Investment werden traditionelle Münzen gehalten (Napoleon, Marengo). Die Bestände sind hoch, die laufende Neunachfrage ist jedoch moderat.
Trends und Entwicklungen der letzten Jahre
Die europäische Goldnachfrage hat in den letzten Jahren eine bemerkenswerte Entwicklung durchlaufen:
2022 – Rekordjahr
Deutschland war mit 185 Tonnen Netto-Nachfrage der zweitgrößte Retail-Goldmarkt weltweit. Getrieben durch Inflationsängste und den Beginn des Ukraine-Konflikts.
2023 – Deutlicher Rückgang
Die deutsche Nachfrage fiel auf 46,9 Tonnen. Europa gesamt: 132,1 Tonnen. Steigende Goldpreise führten zu Gewinnmitnahmen.
2024 – Nachfrage-Tief
Europa nur noch 66,6 Tonnen (−50 %). Deutschland und Schweiz teilen sich fast gleichauf die Spitze (16,8 t bzw. 16,9 t). In Frankreich gab es netto Verkäufe.
2025 – Wachsendes Interesse
Trotz des Nachfrage-Tiefs: Das Interesse an Gold steigt wieder. Gold ist erstmals seit 2022 wieder in den Top 3 der beliebtesten Anlageformen in Deutschland. Besonders die junge Generation entdeckt Gold als Vermögensbaustein.
Zusammenfassung: Europas Gold-Rangliste
Wenn wir die Frage „Wer kauft am meisten Gold in Europa?" in eine klare Rangliste übersetzen:
Nach jährlichem Kauf von Anlagegold (Barren & Münzen)
- Deutschland – Klare Nr. 1 in Europa. 2022 sogar weltweit Nr. 2. Auch 2023/2024 trotz Rückgang an der Spitze.
- Schweiz – Zweitwichtigster Markt, zugleich globaler Lager- und Raffinierungshub.
- Vereinigtes Königreich – Drittgrößter Markt, aber deutlich kleiner als Deutschland und Schweiz.
- Österreich – Kleiner, aber traditionsreicher Markt mit dem Wiener Philharmoniker als Zugpferd.
Nach gesamtem privaten Goldbestand
- Deutschland – 9.089 Tonnen. Klarer Spitzenreiter mit dem höchsten Pro-Kopf-Besitz unter den großen EU-Ländern (100,5 g).
- Italien – 6.418 Tonnen. Stark schmuckgeprägt.
- Frankreich – 4.714 Tonnen. Traditionelle Münzen dominieren.
Typische Goldkäufer in Europa
Das Profil des europäischen Goldkäufers lässt sich so zusammenfassen:
- Deutsche, österreichische und Schweizer Sparer aus der Mittelschicht
- Sicherheits- und krisenorientiert – Gold dient der Vermögenssicherung, nicht der Spekulation
- Häufig 35+ Jahre, aber mit stark wachsendem Interesse bei der Generation 25–34
- Fokus auf physische Barren und Anlagemünzen für langfristige Vermögenssicherung
- Regelmäßige Zukäufe in kleineren Stückelungen (1 oz, 50 g, 100 g)
Was bedeutet das für Anleger?
Die Daten zeigen eindeutig: Gold bleibt ein zentraler Baustein der Vermögenssicherung in Europa – und Deutschland ist dabei das Herzstück. Trotz kurzfristiger Schwankungen in der Neunachfrage ist das Vertrauen in physisches Gold ungebrochen.
Ob als Inflationsschutz, zur Diversifikation oder als langfristige Wertanlage – wer in physisches Gold investieren möchte, befindet sich in guter Gesellschaft. Millionen europäischer Anleger setzen bereits auf Barren und Münzen als festen Bestandteil ihres Portfolios.
